
Projektziele
Ziel der ersten Projektphase ist es, die Archive der Nürnberger Großkirchen St. Lorenz und St. Sebald auf der Basis eines digitalen Archivierungs- und Dokumentationssystems zu erschließen, zu vernetzen und für die wissenschaftliche Recherche zugänglich zu machen. Das Projekt ist interdisziplinär angelegt und wird von Prof. Dr. Burkhard Freitag, Lehrstuhl für Informationsmanagement und Institut für Informationssysteme und Softwaretechnik (IFIS) der Universität Passau, zusammen mit Prof. Dr.-Ing. Rainer Drewello, Professur für Restaurierungswissenschaft in der Baudenkmalpflege, und Prof. Dr. Christoph Schlieder, Lehrstuhl für Angewandte Informatik in den Kultur-, Geschichts- und Geowissenschaften von der Universität Bamberg sowie der verantwortlichen Architektin für die Kirchen St. Sebald und St. Lorenz, Frau Dipl.-Ing. Alexandra Fritsch, durchgeführt. Weitere Beteiligte sind Vertreter der Nürnberger Kirchengemeinden, verschiedener Archive und Bibliotheken und Dombaumeister Michael Hauck M.A., Leiter der Staatlichen Dombauhütte Passau. Das Projekt wird begleitet und unterstützt von der Europäischen Vereinigung der Dombaumeister, Münsterbaumeister und Hüttenmeister e.V. unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Barbara Schock-Werner, Dombaumeisterin und Leiterin der Kölner Dombauhütte. Am Beispiel der Nürnberger Kirchen St. Lorenz und St. Sebald soll in diesem Forschungsprojekt eine Informationsstruktur entwickelt werden, die flexibel genug ist, um als digitales Archiv für viele verschiedene Großbauwerke eingesetzt zu werden, und die es erlaubt, diese Archive miteinander zu vernetzen und inhaltlich zu koppeln. Dabei sind verschiedene informatische Fragestellungen zu bearbeiten, die Erfassung und Erschließung der Archive zu leisten, der räumliche Bezug der Archivdokumente zu Bauwerksteilen herzustellen und eine bauliche und kunsthistorische Kartierung der Bauwerksteile zu ermöglichen. Die bauliche Kartierung folgt der hierarchischen Gebäudestruktur – auf Wunsch bis hinunter zu dem einzelnen Stein – und wird sowohl in Form digitaler Zeichnungen als auch in baumartiger Gestalt (Teil-Ganzes-Modell, Partonomie, Tree-View) dargestellt. Ein wichtiges Teilziel des Forschungsprojekts ist die Entwicklung und Erprobung eines geeigneten Strukturierungsverfahrens, das auch auf andere Bauwerke übertragbar ist. Einen besonderen Stellenwert genießt die Möglichkeit des Zugangs zu dem System direkt aus dem Internet oder von anderen bau- bzw. kunsthistorischen Internetportalen aus. Die Erweiterbarkeit um neue Bauwerke, die flexible Übernahme bestehender Archivdaten und Medien sowie eine intuitive Bedienoberfläche sind weitere wichtige Anforderungen. Herausforderung Die Entwicklung der digitalen Archive für die beiden Nürnberger Kirchen dient als Modell dafür, wie die entstehende moderne Informationsinfrastruktur genutzt werden kann. Allein für die Kirche St. Lorenz sind ca. 9000 Bilder, 1500 Architekturpläne und 4000 Dokumente zu erfassen. Insgesamt werden für dieses Bauwerk mehr als 15000 Medien im Umfang von ca. 30 Gigabyte erwartet. Die Arbeiten an den Nürnberger Kirchen bilden die Grundlage für die Digitalisierung und Erfassung weiterer bauhistorischer und kunsthistorischer Archive, die zusammen letztlich ein europaweites Nachweis- und Zugriffssystem für die Wissenschaft bilden sollen.
Herausforderung
Die Entwicklung der digitalen Archive für die beiden Nürnberger Kirchen dient als Modell dafür, wie die entstehende moderne Informationsinfrastruktur genutzt werden kann. Allein für die Kirche St. Lorenz sind ca. 9000 Bilder, 1500 Architekturpläne und 4000 Dokumente zu erfassen. Insgesamt werden für dieses Bauwerk mehr als 15000 Medien im Umfang von ca. 30 Gigabyte erwartet. Die Arbeiten an den Nürnberger Kirchen bilden die Grundlage für die Digitalisierung und Erfassung weiterer bauhistorischer und kunsthistorischer Archive, die zusammen letztlich ein europaweites Nachweis- und Zugriffssystem für die Wissenschaft bilden sollen.

Konzept
Das vernetzte Informationssystem wird zunächst in einer modernen Client-Server-Architektur aufgebaut, um einen Mehrbenutzerbetrieb zu ermöglichen. Die einzelnen Archivsysteme werden zusätzlich als autonome Einheiten miteinander verbunden (Peer-to-Peer-Architektur). Dies bietet die Möglichkeit zu standortübergreifenden Recherchen. Um die gewünschten Dokumente möglichst zielgenau zu finden, können neben der räumlichen Zuordnung weitere Filter verwendet werden (mehrdimensionale Anfragen über Metadaten). So kann die Suche beispielsweise auf Bild-Dokumente aus einem begrenzten Zeitraum, die bestimmte Schadensphänomene beschreiben, eingegrenzt werden. Die gefundenen Dokumente werden automatisch visuell den entsprechenden Bauwerksteilen zugeordnet. Da heute nicht absehbar ist, welche weiteren Beschreibungsmerkmale über die standardmäßig vorgesehenen hinaus benötigt werden, ist es möglich, ohne größeren Aufwand weitere Merkmalskategorien hinzuzufügen. Falls Dokumente bereits eine Beschreibung haben, kann diese automatisch in das System übernommen werden. Über die eigentliche Bauwerksbeschreibung hinaus wird das Archivsystem auch die Erfassung und Beschreibung von Kunstgegenständen ermöglichen.

Vorarbeiten
Die Grundlage des digitalen Archivsystems bildet das am Institut für Informationssysteme und Softwaretechnik (IFIS) in Zusammenarbeit mit der Universität Bamberg und der Passauer Dombauhütte entwickelte System des „Digitalen Gebäude Archivs“ (DGA), dessen Besonderheit der Raumbezug des Inventarisierungssystems und die Unterteilung in eine Datenverwaltungseinheit, das „Digitale Archiv“ (DA) und das Datenerfassungsmodul, das „Mobile Mapping Systems“ (MMS), darstellen. Von diesem Projekt profitieren bereits heute die Kunst-, Kultur- und Materialwissenschaftler, Konservatoren und Restauratoren, Architekten und Hüttenmeister nicht nur der Nürnberger Zentralkirchen, sondern auch anderer Monumentalbauwerke. Die notwendigen Weiterentwicklungen des Archivsystems in Richtung Bedienschnittstelle, Mehrbenutzerfähigkeit, Vernetzung und inhaltliche Kopplung verschiedener Archive werden von der Passauer Projektgruppe im Rahmen des MonArch-Projekts übernommen.
Verwandte Projekte
In Europa werden große Anstrengungen zur digitalen Sicherung des kulturellen Erbes unternommen. So gibt es zurzeit eine Fülle von Forschungsprojekten zur Digitalisierung vorhandener Archivbestände (siehe beispielsweise die Übersicht der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG unter http://www.dfg.de/lis/). Nach unserem Wissen ist der Ansatz des MonArch-Projekts jedoch einzigartig, weil sein Hauptziel die Entwicklung eines vernetzten digitalen Archivsystems für bau- und kunsthistorische Dokumente ist, das für viele Großbauwerke einsetzbar sein wird. Der eingeschlagene Weg der raumbezogenen Anordnung der Dokumente und ihrer Beschreibung durch semantische Kategorien ist eine weitere Besonderheit. Der MonArch-Ansatz wird von vielen Dombaumeistern, u.a. auch von der Europäischen Vereinigung der Dombaumeister, Münsterbaumeister und Hüttenmeister e.V., unterstützt und empfohlen. Das MonArch-Projekt ist selbstverständlich nicht das erste, das sich mit der Entwicklung digitaler kunst- oder bauhistorischer Archive befasst. Zu nennen sind an vorderster Stelle die großen kunsthistorischen Archive Prometheus (http://www.prometheus-bildarchiv.de/) und Marburger Index (http://www.bildindex.de), die beide mit dem digitalen Gebäudearchiv vernetzt werden sollen.
Förderung
Das Passauer Teilprojekt wird mit einer Stelle für einen wissenschaftlichen Mitarbeiter, Mitteln für studentische Hilfskräfte und Sachmitteln für weitere zwei Jahre unterstützt. Unter der Leitung von Prof. Dr. Burkhard Freitag arbeiten im Passauer Projektteam der Diplom-Informatiker Alexander Stenzer sowie viele Studentinnen und Studenten der Informatik.
Ansprechpartner:
Dipl.-Inf. Alexander Stenzer
Alexander.Stenzer@uni-passau.de
Institut für Informationssysteme und Softwaretechnik (IFIS)
Universität Passau
Innstraße 43
94032 Passau