
Die Archive von St. Lorenz und St. Sebald sind auf Grund ihres Umfangs und Quellengattungen typisch für zahlreiche andere Großkirchen und das ideale Studienobjekt zur Einführung web-basierter verteilter Archivsysteme. St. Lorenz war im Rahmen des Projekts "Digitales Dombauarchiv" an der Dombauhütte zu Passau im Zeitraum 2004 bis 2006 als Partner im Praxistest beteiligt.
Die Teilnahme wurde wegen der schlechten Zugriffsituation der an sich gut bestückten Sammlung für dringend geboten erachtet und erforderte als Vorleistung die Einrichtung eines Arbeitsplatzes mit der hierfür notwendigen Software- und Hardwareausstattung. Parallel zur Implementierung der Software wurden Umfang und Art der Quellen ermittelt. Die Sondierung ergab, dass der momentane Bestand aus ca. 2000 als Dokumente zu führende Archivalien ab dem Jahr 1750, ca. 1000 Buchbeiträgen, Sonderdrucken und Zeitungsausschnitten, ca. 1000 SW-Fotos, 6500 Diapositiven sowie ca. 1500 teilweise hochwertigsten Plänen besteht.
Die Situation des Archivs von St. Sebald ist der von St. Lorenz vergleichbar. Finanzmittel für die Archivbetreuung stehen nicht zur Verfügung. Die in der Kirchengemeinde vorrätigen Archivalien befinden sich derzeit im Pfarramt und in der oberen Sakristei der Kirche. Nach einer erster Sondierung bestehen sie aus ca. 1200 Fotos, darunter zahlreichen Glasplatten mit Abbildungen vor und nach der Zerstörung im Jahr 1945, einer zahlenmäßig nicht erfassten Menge von historischen Büchern und Handschriften aus der Zeit nach 1580 und ca. 100 Ordnern mit Dokumentationen. Hinzu kommt ein Planfund des Jahres 2005 mit ca. 1000 Archivalien der Restaurierungskampagnen um 1900, die sich aus Großfotos, hochwertigsten Bauforschungsplänen, Skizzen, Konstruktionsanalysen und Schadenskartierungen zusammensetzen. Der Zustand der Fundstücke war auf Grund unsachgemäßer Lagerung kritisch. Als Vorarbeit wurden die Pläne im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg dekontaminiert, gereinigt, geglättet, in 20 säurefreie Mappen eingelegt und in einem temperierten Raum archiviert. Die Kosten von ca. € 11.000,- übernahm dankenswerterweise die Pfarrgemeinde.
Da keines der Archive eine systematische bzw. bauteilbezogene Ordnungsstruktur besitzt, die Archivalien inhaltlich nicht zugeordnet sind und viele der historischen Unterlagen auf Grund der Säkularisation und Kriegswirren in andere Archive ausgelagert wurden, ist eine gezielte Recherche ausgeschlossen. Der Suchaufwand ist extrem groß, zeitlich nicht kalkulierbar und der Erfolg ungewiss. Hinzu kommt die sich zu einer echten Bedrohung auswachsende Gefahr des irreversiblen Verlustes zahlreicher Dokumente auf Grund der nicht zu regelnden Ausleihe und der (an sich gewünschten, aber nicht kontrollierbaren) „Benutzung“ der Archivalien durch alle möglichen Interessenten, die sich wissenschaftlich, privat oder religiös motiviert mit einer der beiden Kirchen beschäftigen möchten.
Die systematische Erschließung der Quellen wird von der Arbeitsgruppe der Evang.-Luth. Kirche (EvK) übernommen. Schnittstelle und Koordinatorin ist die bauleitende Architektin Alexandra Fritsch. Für die Inventarisation und die Partonomie des Bauwerks sowie das Einpflegen der Daten zeichnet die das DMA betreuende Architektin Anke Romanow sowie freiberufliche und studentische Hilfskräfte der Universität Bamberg verantwortlich.
Von Beginn an werden die Projektpartner der Informatikinstitute an den Universitäten Bamberg und Passau in den Archivaufbau eingebunden und über den Entwicklungsstand informiert.
Die Digitalisierungsarbeiten übernimmt die Firma CD-Lab Nürnberg/Bonn (CD-Lab), in einfachen Fällen und bei kleinformatigen Archivalien die Arbeitsgruppe der Evang.-Luth. Kirche.
Fachliche Unterstützung zur virtuellen Partonomie und Verschlagwortung erfährt das TestTeam durch den Vertreter der Dombaumeistervereinigung, Michael Hauck.
Die während der Kriegszeiten und der Säkularisation ausgelagerten Bestände sollen möglichst vollständig erfasst, inventarisiert und in digitaler Form für den wissenschaftlichen Gebrauch in das DMA integriert bzw. mit entsprechenden Querverweisen versehen werden.
Nach dem bisherigen Kenntnisstand sind Quellen aus folgenden Archiven einzubinden:
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Dipl.Ing Alexandra Fritsch
Fritsch+Knodt&Klug ArchitektInnen
Untere Kreuzgasse 33
90403 Nürnberg
T 0911 23887-0